Das Sondergericht Darmstadt – NS-Schnelljustiz im Sinne des „Führers“.
Exemplarisches Beispiel eines Prozesses gegen einen Zeugen Jehovas.

Schon am 21. März 1933, somit nur wenige Wochen nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, wurden Sondergerichte etabliert, die zu einer dauerhaften Einrichtung der deutschen Rechtspflege im Dritten Reich wurden.

Unter dem Schein der Legalität waren Gerichte tätig, deren Aufgabe es war, nicht nur Unruhestifter zur Ordnung zu rufen und zu bestrafen, sondern hauptsächlich politische Gegner auszuschalten und sie vollständig "auszurotten". 1

Da Sondergerichte „eine neue Form der politischen Schnelljustiz“2 waren, zeichneten sie sich besonders durch ein gekürztes und straffes Verfahren aus. Die Sondergerichte waren, nach damaliger Darstellung „mit höchster Kompetenz ausgestattete Gebietskörper“, die im Interesse der „Staatssicherheit und der öffentlichen Ordnung“ in Verbindung mit einer „auserlesenen Richterelite den Angriffen von Staatsfeinden die Spitze schnell abbrechen“ sollten.3 Adolf Hitler selbst drückte es mit den Worten aus: „Oft handelt es sich darum, ein Flämmchen, das eine Flamme zu werden droht, beizeiten rücksichtslos auszutreten“4.

Die Zahl dieser Gerichte war zunächst gemäß der Zahl der Oberlandesgerichtsbezirke auf 26 festgelegt worden. Das Sondergericht Darmstadt war für den gesamten Volksstaat Hessen zuständig. Dieser bestand aus den Provinzen Oberhessen, Rheinhessen und Starkenburg. Das Sondergericht bestand aus einem Vorsitzenden und zwei Beisitzern mit je einem Vertreter.

Das Sondergericht Darmstadt setzte sich zu Beginn seiner Tätigkeit aus folgenden Richtern zusammen:

dem als Vorsitzenden amtenden Landgerichtsdirektor Gustav Weiss,
seinem Stellvertreter, Landgerichtsdirektor Ernst Schmidt,
dem Beisitzer, Landgerichtsrat Dr. Mickel,
seinem Vertreter, Landgerichtsrat Paul Stimmel,
dem Beisitzer, Amtsgerichtsrat Karl Heckler
seinem Vertreter, Amtsgerichtsrat Ludwig Lutz.5

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1 Idel, W., Die Sondergerichte in politischen Strafsachen, Diss., Freiburg, 1935, S. 39.
2 Hüttenberger, P., Heimtückefälle vor dem Sondergericht München, München 1933-1933, in : Broszat, Fröhlich, Grossmann (Hrsg.), Bayern in der NS-Zeit, Bd. 4, München 1981, S. 435.
3 Fleuchaus, B., Die Sondergerichte im Strafprozeß, Diss., Phillipsburg 1936, S. 16.
4 Gruchmann, L., Hitler über die Justiz, in: VFZG 1964, S.95.
5 Hirch, W., Untersuchung der NS-Sondergerichtsbarkeit anhand der Heimtückefälle im Kreis Darmstadt, Magisterarbeit an der TH Darmstadt 1988, S. 40.