| Konspirative Zusammenarbeit der Gebrüder Dieter und Günther Pape gegen die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas |
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Konspirative Zusammenarbeit der Brüder Dieter und Günther Pape gegen die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas Inoffizielle Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR und dem Jesuiten-Orden (1) der katholischen Kirche über die Brüder Pape
a. Einleitung Es ist erstaunlich, dass die beiden Brüder Dieter und Günther Pape in ihrem jahrzehntelangen Bemühen die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas zu diskreditieren nicht nachgelassen hatten. Dies wirkt weniger spektakulär, wenn man bedenkt, dass sie sich durch ihre Arbeit eine Einkommensquelle schaffen konnten, die nicht so schnell zu versiegen drohte und - im Falle der katholischen Einkommensquelle - heute noch sprudelt. Dieter Pape (IME "Wilhelm") hatte sich bereits am 27. Juli 1956 dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der ehemaligen DDR verpflichtet. Seine ihm zugewiesene Aufgabe bestand darin, mit allen Mitteln gegen Zeugen Jehovas vorzugehen. Er verpflichtete sich in der DDR schriftlich diese heimtückische Arbeit "ehrlich und gewissenhaft zum Wohl unserer Regierung durchzuführen". (2) In der Tat hat er seine ihm übertragenen Aufgaben zuverlässig und voller Eifer ausgeführt und stieg innerhalb weniger Jahre zu einem gutbezahlten hauptamtlichen Geheimdienstmitarbeiter auf, dem eine hohe Verantwortung in der Zersetzungsarbeit des MfS übertragen wurde. (3) Dieter Pape, Jahrgang 1928, hatte sich zunächst von 1945 bis 1948 hauptamtlich im Missionsdienst der Zeugen Jehovas engagiert. Er hatte auch in den folgenden Jahren verantwortliche Aufgaben in seiner Heimatgemeinde ausgeführt und war wegen seines religiösen Engagements in der DDR verhaftet und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Während der Haft hatte er sich von seinem Glauben völlig losgesagt und sich in den Dienst des MfS gestellt. Aus diesem Grund wurde er bereits nach vier Jahren Haft entlassen und begann sogleich seine neue Tätigkeit, die in der rigorosen Bekämpfung seiner ehemaligen Glaubensbrüder bestand. Er war zu einem Verräter geworden und scheute nicht davor zurück seine ehemaligen Glaubensbrüder und -schwestern, zu denen auch seine damals noch lebende Mutter gehörte, mit aller Vehemenz zu verfolgen. Günther Pape, Jahrgang 1927, hatte sich ebenfalls über Jahre im Missionsdienst engagiert. Noch vor der offiziellen Gründung der DDR im Jahre 1949 flüchtete er in die Bundesrepublik, da er im Osten Deutschlands keine Zukunft für sich sah. In der BRD war er zunächst in einigen Gemeinden der Zeugen Jehovas aktiv, doch ließ sein Engagement immer mehr nach. Im Jahre 1957 wurde er schließlich wegen "sittenwidrige[n] Geschäftsgebaren[s]", d.h. wegen wirtschaftlicher Schädigung diverser Firmen und Betrug, aus der Religionsgemeinschaft ausgeschlossen. (4) b. Buchherausgabe 1961: "Ich war Zeuge Jehovas" Ein gemeinsames Buchprojekt der beiden Brüder gegen die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas gegen Ende der 50er Jahre wurde von ihnen konsequent verfolgt. Doch da die Geldgeber hinter diesem Buchprojekt - auf westlicher Seite der Jesuiten-Orden der katholische Kirche und auf östlicher Seite das Ministerium für Staatssicherheit - ihre eigenen Wünsche massiv äußerten, wurde das gemeinsame Buchprojekt schließlich einer weitgehenden Änderung unterzogen. Die Intention dieser bedeutenden Drahtzieher war so unterschiedlich, dass ein gemeinsames Buchprojekt scheitern musste. Während von seiten der Jesuiten unter anderem darauf Wert gelegt wurde, "dass Gott das Haupt aller Dinge ist und die kath. Kirche die allein wahre Kirche sei", und das Thema Zeugen Jehovas und Politik weitgehend herausgelassen werden sollte, wollte man von seiten des MfS die politische Dimension der Verweigerungshaltung der Zeugen Jehovas zum sozialistischen Staat besonders beleuchten und keinesfalls die katholische Kirche hervorheben. (5) Gleich zu Beginn des Bucheprojektes war von katholischer Seite offensichtlich große Euphorie vorhanden. Günther Pape schrieb an seinen Bruder über die kirchliche Reaktion zur geplanten Buchherausgabe: "Nun noch etwas was Dich bestimmt interessieren wird. Ich habe mich mit kirchlichen Stellen in Verbindung gesetzt und sie einmal um eine Stellungnahme von seiten der Kirche gebeten. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie überrascht und wie interessiert diese Kreise sind. Wir möchten uns beeilen, daß dieses Werk so schnell als möglich fertig wird. Wenn wir die Hälfte im Manuskript vorlegen können, bekommen wir jede finanzielle Unterstützung, die wir brauchen. Sie haben mir sogar schon einen Verlag namhaft gemacht, der das mir drucken wird und gefragt, ob wir auch damit einverstanden sind, daß dieses Werk in alle Sprachen übersetzt wird. [...] Ich soll aber jeden Dienstag zu einem mir genannten Pfarrer kommen und ihn unterrichten, wie unser Vorhaben voranschreitet." (6) Dieter Pape bekam daraufhin vom MfS den Auftrag bei seinem Bruder "den Enfluss, den die kath. Kirche auf die Ausarbeitung geltend machen will, zurückzudrängen". (7) Nachdem die beiden Brüder im März 1959 ihre Ausarbeitung fertiggestellt hatten, stellte Leutnant Seltmann, der für Dieter Pape zuständige MfS-Führungsoffizier fest: "Ein Mangel bei der Ausarbeitung besteht darin, dass man immer die Möglichkeit, daß es eine Gott gibt, durchblicken lässt. Dies liegt nicht etwa daran, dass die beiden Verfasser noch an die Existenz eines Gottes glauben (beide lehnen Glauben und Gott ab), sondern es resultiert darin, dass der Bruder von "Wilhelm" nur in der Lage ist, mit Unterstützung der kath. Kirche diese Schrift in Westdeutschland zu verbreiten". (8) Zudem wurde die Bindung Günther Papes zur katholischen Kirche enger, da ihm eine Ausbildung durch die Jesuiten angeboten wurde. Seinem Bruder Dieter hatte Günther stolz mitgeteilt: "Man hat die Absicht mich ausbilden zu lassen. Vor allem will man mich weiter zur Bekämpfung der Sekten einsetzen". (9) Günther Pape wurde der konkrete Vorschlag gemacht ganz für die katholische Kirche tätig zu werden, indem er Vorträge in verschiedenen Städten Westdeutschlands halten und Traktate und andere Veröffentlichung gegen Zeugen Jehovas veröffentlichen solle. Das erinnert doch sehr an die Arbeit Dieter Papes in der DDR, der in ähnlicher Weise, aber mit anderem Arbeitgeber, seinen Kampf gegen die Religionsgemeinschaft in der DDR führte. Der permanente Versuch Dieter Papes von seinem Bruder umfassend über die Abwehrarbeit der katholischen Kirche informiert zu werden scheiterte letztlich, da Günther sich schon zu sehr an die katholische Kirche gebunden hatte und er zudem "die Jesuiten als gefährlich" einschätzte und seine Sicherheit nicht völlig gewährleistet sah, sollte er zuviel Insiderwissen preisgeben. (10) Das Gehalt Günther Papes betrug in dieser Zeit seiner Ausbildung seitens der katholischen Kirche 200,- DM inklusive Wohnung und "einige Naturalien". (11) Von seiten des MfS wiederum wurde konkret die Überlegung angestellt, Günther Pape anzuwerben, um ihn direkt in ihre Dienste zu stellen. Er sollte nicht nur gegen Zeugen Jehovas vorgehen, sondern - so die Meinung des MfS - seine käuflichen Dienste auch gegen die katholische Kirche einsetzen. (12) Das MfS hatte gute Gründe über eine engere Zusammenarbeit nachzudenken. Schließlich hatte Günther Pape eine hohe Kooperationsbereitschaft gezeigt, indem er die ihm bekannten Zeugen-Jehovas-Gemeinden und die ihm bekannten Gemeindevorsteher an seinen Bruder preisgegeben hatte. Auch hatte er in Erfahrung gebracht welche Zeugen-Jehovas-Gemeinden als Auffangstationen für die sogenannten Ostflüchtlinge verantwortlich waren und dies sogleich seinem Bruder Dieter verraten. (13) Er muss gewußt haben, dass sein Bruder dies nicht lediglich für seine privaten Zwecke nutzen, sondern dass er diese Informationen an die dafür verantwortlichen staatlichen Stellen weitergegeben würde. Auch hatte er Informationen über die katholische Kirche übermittelt. (14) Deshalb kam man beim MfS zu der Überlegung, man könne ihn damit beauftragen, in das Berchmannskolleg, einer Philosophischen Hochschule des Jesuiten-Ordens in Pullach bei München, zu gelangen und von dort aus dem MfS zu berichten. Soweit kam es aber offenbar nicht, da Günther Pape durch seine Bekanntschaft zu Professor Ernst Haensli, einem Jesuiten-Pater aus dem Berchmannskolleg, alle Unterstützung - sowohl finanzieller als auch juristischer Natur - erwarten und für sich sichern konnte. (15) Günther Pape bekam immer mehr Angst "zwischen zwei Feuern" zu stehen. (16) Er musste sich entscheiden. (17) Dies hat er offensichtlich zugunsten des im Westen mächtigeren Kampfesgenossen, der katholischen Kirche, getan. In der BRD war durch die Kontakte der Jesuiten schnell ein katholischer Verlag gefunden, der die Buchherausgabe vornehmen wollte. Es war der Verlag Winfried-Werk in Augsburg. In der DDR gestaltete sich die Suche schwieriger. Der katholische St. Bennoverlag in Leipzig war zwar interessiert, doch wie Dieter Pape von dort mitgeteilt bekam, sähe man hier wenig Chancen diese Buchprojekt durchzubekommen. Vielmehr war man der Ansicht, dass, wenn er dies in der DDR dennoch fertigbringen könnte, "dies das achte Weltwunder" wäre. (18) Zudem erhielt er die Antwort, dass man kirchlicherseits in der DDR nichts gegen Zeugen Jehovas unternehmen brauche, "da ja der Staat ihnen die Arbeit abnimmt". (19) Schon wenige Wochen später berichtete Dieter was er von seinem Bruder aus dem Westen erfahren hatte: "In Westdeutschland hat man auch von seiten der kath. Kirche verlangt, daß Buch nochmals umzuschreiben und eine stärkere kath. Tendenz hineinzubringen." (20) Der Vorgesetzte des Jesuiten- Paters Haensli bestand auf einem Buch mit "rein katholischem Einschlag". (21) Es wurde die dezidierte Forderung gestellt, dass Günther Pape die katholische Kirche als einzig wahre Kirche darstellen und er eine antikommunistische Haltung propagieren solle. (22) Dies lehnte Günther Pape vorerst ab. So kam es, dass das Buchprojekt zunächst auf Eis gelegt wurde und die katholische Kirche sich der Veröffentlichung eines anderen Buchprojektes widmete. Es war das Buch von Wilhelm Schnell, einem ehemaligen Wachtturm-Mitarbeiter aus der Zentrale der Zeugen Jehovas in New York. (23) Das geplante Buch Günther Papes wurde in Westdeutschland verlegt, nachdem die Forderungen der katholischen Kirche erfüllt wurden. Dies war in etwa zeitgleich mit der Ostausgabe des Buches, bei der als Autor zwar ebenfalls Günther Pape genannt wurde, der tatsächliche Autor aber Dieter Pape war. (24) Dieter Pape war in der Ostausgabe lediglich als Bearbeiter und Gestalter in Erscheinung getreten. Der Zeitpunkt der Herausgabe der ostdeutschen MfS-Version spielte offensichtlich mittlerweile nur noch eine untergeordnete Rolle. Die ursprünglich geplante Vorgehensweise des MfS hatte zwar nach eigenen Angaben wie folgt gelautet, "Um diese Arbeit zu verwischen, wäre es weiterhin von Bedeutung, dieses Buch zuerst in Westdeutschland, eben über diesen Jesuitenpater erscheinen zu lassen und dann durch einen Vertrag mit einem Verlag der DDR es ebenfalls zu verlegen", (25) doch sollte das Buch in der DDR ohnehin besonders den eigenen "Genossen bei Treffs und Aussprachen mit Zeugen Jehovas Argumentationen in die Hand geben" und war nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt, so dass das MfS nicht länger auf die Buchherausgabe verzichten wollte. (26) Beide Ausgaben erschienen im Jahre 1961. (27) Die Verbindung der beiden Brüder Dieter und Günther Pape riss über die folgenden Jahrzehnte nie wirklich ab. Zwar gab es aus verschiedenen Gründen Jahre unterschiedlicher Kommunikationsintensität, doch wollten sowohl die beiden Brüder, als auch ihre beiden Geldgeber, weiterhin, möglichst unauffällig, voneinander profitieren. c. Treffen der beiden Gebrüder Pape 1982 in Berlin zur weiteren Koordination ihrer Arbeit Eine interessante und entlarvende Aufzeichnung über einen Besuch Günther Papes in Berlin bei seinem Bruder Dieter, vom 31. Juli bis zum 7. August 1982, soll dies transparent machen. Über diesen Besuch wurde vom MfS ein Bericht erstellt, in dem die gemeinsamen Gespräche und Ziele der Brüder Pape aufgezeichnet sind. (28) Beide waren von der Wirksamkeit ihrer Tätigkeit völlig überzeugt. So prahlten sie, dass seit der "gemeinsamen" Buchherausgabe im Jahre 1961 es in Europa "keine wirksameren und bedeutsameren Kontrahenten gegen die WTG [Wachtturm-, Bibel- und Traktatgesellschaft der Zeugen Jehovas e.V., die rechtliche Körperschaft der Religionsgemeinschaft, d.A.]" gäbe als sie selbst. Günthers Bücher wären in verschiedene Sprachen übersetzt worden, er sei international als Referent tätig "und ansonsten mit allen wesentlichen Aktionen der kath. Kirche gegen die WTG befasst und das unter offiziellem Status im Schematismus seiner Diözese". (29) Günther teilte seinem Bruder mit, es sei von katholischen Experten nachgewiesen worden, dass der Verfasser des Buches "Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft" aus dem Jahre 1970, Dieter Pape sein müsse. (30) Nach der Konfrontation mit diesem Wissen hatte Dieter ihm zumindest seine Mitarbeit gestanden. Mittlerweile würde auch in der BRD an diesem Buch kein "Sektenexperte" mehr vorbeigehen. Es sei in "einschlägigen kirchlichen Kreisen" auch kein Geheimnis, dass Dieter Pape "in bedeutsamen Maße an CV [Zeitschrift und Verein: "Christliche Verantwortung", d. A.] beteiligt ist". (31) Wenn Günther Pape "mit Material der verschiedensten Art CV helfe, so mache er das mit Zustimmung des kath. Sektenreferats seiner Diözese". (32) Er, Günther, wiederum nutze die Veröffentlichungen aus der CV-Zeitschrift und dem "Blaubuch" (so der inoffizielle Name des Buches "Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation ...") auf seinen kirchlichen Veranstaltungen, um über Jehovas Zeugen aufzuklären. (33) Ebenfalls hätte er diese Veröffentlichungen beispielsweise bei "Exerzitien für Offiziere und Unteroffiziere der Bundeswehr" (aus dem Wehrbereich 5 Baden-Württemberg mit ca. 50-60 Teiln.), als politische Ferientagungen über Katholizismus und Gesellschaft" verwendet. (34) Auch bei Beratungen von Geistlichen und Religionslehrern würde selbstverständlich CV und das Blaubuch herangezogen. Von Günther Pape wurde vorgetragen, dass es für die künftige Zusammenarbeit gut wäre, "wenn seine Beziehungen zu CV von der bisherigen privaten Ebene auf eine offizielle Ebene gehoben würde" (35), damit er offiziell mit CV korrespondierten könne. Von seiten seines Bruders Dieter gab es hierzu keine Einwände bis auf einen Punkt: "Wenn CV akzeptiert wird, wie es ist, es wird ja für den Osten gemacht, hier sind andere Verhältnisse, dann kann auch offiziell als CV korrespondiert werden." (36) Da Günther für eine Begründung in seiner Diözese den genauen Beruf seine Bruders wissen wollte, brachte ihm Dieter "seine Universitätspapiere zur Einsicht", auf denen er als Diplomhistoriker ausgewiesen war. (37) Günter Pape äußerte sich seinem Bruder gegenüber, er habe schon des öfteren versucht die WTG "zu Gerichtsprozessen gegen ihn zu zwingen, indem er die WTG-Arbeit wiederholt als öffentlichen Betrug bezeichnet habe u.a.m.". (38) Doch bisher würden keine Prozesse gegen ihn angestrengt. Er, Günther, "scheue keine Gerichtsprozesse gegen die WTG. Er habe kirchlich jede anwaltliche Unterstützung". (39) Mit einem "mächtigen Partner" wie der Kirche könne man sich auf jeden Streit einlassen. Zum Abschluss des Besuches versprach Günther seinem Bruder regelmäßig die Zeitschriften "Wachtturm" und "Erwachet" in das CV-Büro zu senden. Er wolle "jede gewünschte Literaturhilfe" leisten. (40) Ein geäußertes Fernziel war es gemeinsam erneut ein Werk über Jehovas Zeugen zu schaffen, "ein Standardwerk, über die gesellschaftliche Bedeutung der WTG im Weltmaßstab, in Ost und West". (41) Dazu ist es nicht mehr gekommen. Erwähnenswert ist noch, dass Günther seinem Bruder als Geschenk verschiedene Buchveröffentlichungen der WTG sowie 750 Blatt Kopierpapier zur Unterstützung für das CV -Büro mitgebracht hatte. d. Schlussbetrachtung Auch aus diesen Aufzeichnungen ist sichtbar geworden, dass die bis heute geäußerten Aussagen Günther Papes und seines Sohnes Klaus-Dieter Pape, aber auch anderer am Geschehen Beteiligter, sie hätten bis zum Jahr 1996 nichts von der Zusammenarbeit Dieter Papes mit dem MfS gewußt, sie hätten auch nicht gewußt, dass CV ein reines Stasi-Blatt sei, nicht den Tatsachen entspricht. Hier ist ein Lügengebäude errichtet worden, das dem gemeinsamen Interesse derjenigen dient, die das Ansehen der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas weiterhin diskreditieren möchten. Nach dem Zusammenbruch der DDR und der nicht weiter durch das MfS finanzierten Zeitschrift CV war die Zeitschriftenherausgabe zunächst eingestellt worden. Die Vereinsmitglieder und CV-Autoren waren sehr schnell in der Versenkung verschwunden. 1993 wurde der Titel der Zeitschrift lediglich in "Aus christlicher Verantwortung" umbenannt. Der Verein "Christliche Dienste e.V. - Verein für Aufklärung und Information über Zeugen Jehovas" mit Sitz in Tübingen, unter der Regie des Pape-Trios Günther, Dieter und Klaus-Dieter, übernahm das Blatt, dass über viele Jahre in der DDR von Dieter Pape dominiert worden war. Klaus-Dieter Pape, katholischer Diplom-Theologe und ebenfalls im Dienst der katholischen Kirche aktiv, führt die Tätigkeit seines Vaters und seines Onkels weiter. Er hat sozusagen deren Nachfolge angetreten und ist ebenfalls publizistisch gegen Zeugen Jehovas tätig. Bereits in der ersten Ausgabe "Aus christlicher Verantwortung" durfte Dieter Pape seine infame Arbeit fortsetzen. Es ist nicht glaubhaft, dass Dieter Pape, wie von Klaus-Dieter verbreitet wird, ihm und seinem Vater Günther, erst 1996 seine MfS-Vergangenheit bekannte, nachdem dessen Vergangenheit langsam ohnehin öffentlich ruchbar wurde. (42) Es war doch mehr als offensichtlich, dass Dieter Pape und die anderen CV-Beteiligten nur in Verbindung mit dem MfS ihre "Zersetzungs"-Arbeit in der sozialistischen Diktatur so offen und dauerhaft hatten verrichten können. Die am Projekt CV direkt oder indirekt Beteiligten in Ost und West leugnen ihr Wissen über die Zusammenhänge beharrlich. Schließlich seien sie doch nur an objektiver Aufklärung über Jehovas Zeugen interessiert gewesen. Zutreffender scheint jedoch, dass auch hier das bekannte Rechtfertigungsprinzip "Der Zweck heiligt das Mittel" zur Anwendung kommt. e. Zusammenfassung Der Zweck der gnadenlosen Bekämpfung von seiten des MfS gegen Jehovas Zeugen war, sie zu der "richtigen" politischen Einstellung eines Christen in der sozialistischen Gesellschaft zu zwingen. Sie sollten sich den politischen Vorgaben in der DDR nicht verweigern, sondern am Aufbau des Sozialismus tatkräftig mitarbeiten. Sie sollten sich sozusagen im Sozialismus einrichten und den Staat unterstützen. Ihnen kam ein Renegat wie Dieter Pape gerade recht, der sich gegen Bezahlung in den Dienst des MfS stellte, und der an die vorderste Front gestellt wurde. Der Zweck der Bekämpfung der Zeugen Jehovas durch die Jesuiten bestand darin, Jehovas Zeugen wieder auf den "richtigen" Weg zu bringen. Sie sollten in den "Schoß der Kirche" zurückkehren, zumindest aber ihre offensive Missionstätigkeit einstellen. Jehovas Zeugen wurden als Häretiker (Ketzer) betrachtet, die sich der Ausbreitung und Befestigung der universalen katholischen Kirche in den Weg stellten. Da Häretiker nicht mehr von der katholischen Inquisition an die staatlichen Behörden zur Aburteilung überstellt werden können, scheint die Methode der Desinformation und Diskreditierung in diesen Kreisen durchaus ein übliches Verfahren im Kampf um die Vorherrschaft des Glaubens zu sein. Ihnen kam ein Renegat wie Günther Pape gerade recht, der sich gegen Bezahlung in den Dienst der katholischen Kirche stellte, und der an die vorderste Front gestellt wurde. Waldemar Hirch ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 1. Societas Jesu. 1534 gegründeter katholischer Orden, der sich seit dem 16. Jahrhundert in Europa ausbreitete und ein wirksames Instrument der Gegenreformation war. 2. BStU Berlin, Zentralarchiv, P, A-185/85, Bd. 4, Verpflichtung Dieter Papes vom 25.7.1956, Blatt 191. 3. Vgl. Waldemar Hirch, Die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas während der SED-Diktatur, unter besonderer Berücksichtigung ihrer Observierung und Unterdrückung durch das Ministerium für Staatssicherheit, Frankfurt/M. 2003, S. 293 ff. 4. Vgl. Gerhard Besier, Kreuzzug als Familienunternehmen. Bekehrung in der DDR: Wie die Papes über die Zeugen Jehovas aufklären, Artikel erschienen in "Die Welt" vom 26.01.1999. 5. BStU Berlin, Zentralarchiv, A-185/85, Bd. II, Treffbericht mit "Wilhelm" vom 10.1.1959, Blatt 42 f. 6. BStU Berlin, Zentralarchiv, A-185/85, Bd. I, Abschrift eines Briefes Günther Papes an seinen Bruder Dieter vom 14.5.1958, Bl. 269. 7. BStU Berlin, Zentralarchiv, A-185/85, Bd. II, Treffbericht mit "Wilhelm" vom 10.1.1959, Bl. 43. 8. Ebd., Treffbericht mit "Wilhelm" vom 23.3.1959, Bl. 48. 9. Ebd., Treffbericht mit "Wilhelm" vom 30.4.1959, Bl. 60. 10. Ebd., Treffbericht mit "Wilhelm" vom 18.6.1959, Bl. 68. 11. Ebd., Treffbericht mit "Wilhelm" vom 24.6.1959, Bl. 75. 12. Ebd., Bericht über den Stand der Herausgabe des Buches gegen die "Zeugen Jehova" in Westdeutschland vom 31.10.1959, Bl. 129. 13. Ebd., Treffbericht mit "Wilhelm" vom 24.6.1959, Bl. 78 f. 14. Ebd., Treffbericht mit "Wilhelm" vom 16.11.1959, Bl. 133. Hier heißt es z. B., dass Dieter Pape von seinem Bruder einige Briefe erhalten habe, in denen Günther Pape "etwas offener über seine Verbindungen zu Pater Haensli" schreiben würde. 15. Ebd., Treffbericht mit "Wilhelm" vom 23.3.1959, Bl. 49. 16. Nach eigenen Aussagen Günther Papes wollte das MfS ihn bei einem Besuch in Berlin zu einer Mitarbeit zwingen. Zu einem mit seinem Bruder Dieter und Mitarbeitern des Staatssekretariats für Kultur vereinbarten Treffen wurde er offenbar vom Geheimdienst verschleppt, verhört und unter Druck gesetzt. Er wurde beschuldigt für den BND (Bundesnachrichtendienst) zu arbeiten. Nach seinen eigenen Angaben habe er sich seinerzeit mit allem Nachdruck gegen diese Unterstellungen gewehrt (ebd., André Gursky, Zwischen Aufklärung und Zersetzung, S. 100, Fußnote 114). Dies wirkte auf die Mitarbeiter des MfS nicht unbedingt glaubwürdig, hatten sie doch in den Verhaltensweisen für Ihre eigenen Mitarbeiter klare Verhaltensregeln festgelegt. Dieter Pape beispielsweise wurde die Instruktion gegeben, sollte er im Westen zu einer Zusammenarbeit mit dem MfS verdächtigt werden, sollte er sich auf folgende Weise zur Wehr setzen: "Direkte Vorwürfe in Richtung einer Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit lehnen Sie energisch und bestimmt ab, wobei Sie sich weitere Beschuldigungen verbieten." BStU Berlin, Zentralarchiv, P, A-185/85, Bd. 4, Auftrag des MfS an Dieter Pape, Bl. 194. 17. BStU Berlin, Zentralarchiv, A-185/85, Bd. II, Treffbericht mit "Wilhelm" vom 16.11.1959, Bl. 133. 18. Ebd., Treffbericht mit "Wilhelm" vom 24.6.1959, Bl. 80. 19. Ebd., Bl. 80. 20. Ebd., Treffbericht mit "Wilhelm" vom 15.8.1959, Bl. 94. 21. Den Jesuiten wurde vom MfS vorgehalten, sie wollten - ähnlich wie bereits im Zeitalter der Gegenreformation - in den sozialistischen Ländern eine Kulturrevolution betreiben und den Kommunismus beseitigen. Sie hätten bereits nach der Oktoberrevolution einen eigenen Spionageapparat aufgebaut, der gegen die Länder des sozialistischen Lagers eingesetzt würde. Zentren dieses jesuitischen Geheimapparates seien das der Ostkirchenkongregation angegliederte "Orientalische Institut" (Pontificio Istituto Orientale), sowie das " Kollegium für Russland" (Das Päpstliche "Collegium Russicum"). Beide Institutionen würden Agenten für den Geheimdienst im sozialistischen Lager ausbilden und eng mit dem US-Geheimdienst kooperieren. In diesen beiden Zentren würden alle Fäden der jesuitischen Spionage und Diversion zusammenlaufen. Beide Institute unterstünden direkt dem Ordensgeneralat in Rom. 22. BStU Berlin, Zentralarchiv, A-185/85, Bd. II, Treffbericht mit "Wilhelm" vom 18.3.1960, Bl. 171. 23. Wilhelm Schnell, Falsche Zeugen stehen wider mich. 30 Jahre Sklave des Wachtturms, Konstanz 1959. 24. Vgl. Waldemar Hirch, Die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas während der SED-Diktatur …, Frankfurt/M. 2003, S. 228 ff. 25. BStU Berlin, Zentralarchiv, A-185/85, Bd. II, Treffbericht mit "Wilhelm" vom 18.12.1958, Bl. 41. 26. Ebd., Treffbericht mit "Wilhelm" vom 18.3.1960, Bl. 174. 27. Günther Pape, Ich war Zeuge Jehovas, VEB Deutscher Zentralverlag, Berlin 1961. Bearbeitet und gestaltet von Dieter Pape mit Genehmigung des Autors. Günther Pape, Ich war Zeugen Jehovas, Verlag Winfried-Werk Augsburg, 1961. 28. BStU Berlin, AIM, MfS 14219/60 "Wilhelm", 3292/91, Beifügung Bd. 5, Aufzeichnung vom 18.8.1982, Wesentliche Gesprächsthemen und Bemerkungen, Bl. 95-105, 117. 29. Ebd., Bl. 96. 30. Manfred Gebhard (Hrsg.), Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft, Urania-Verlag Leipzig / Jena / Berlin 1970, Lizenzausgabe Verlag Hubert Freistühler, Schwerte/Ruhr 1971. 31. Ebd., Bl. 97. Mit diesen "kirchlichen Kreisen" hat Günther Pape ganz offensichtlich die Jesuiten und die sogenannten "Sektenexperten" der Kirche gemeint. 32. Ebd. 33. Ebd. 34. Ebd. Unter Exerzitien bzw. geistlichen Übungen versteht man Zeiten, in denen sich Einzelne oder Gruppen intensiv und mehr als für sie selbst üblich dem Gebet und der Besinnung widmen. Exerzitien zu begleiten, gehört auch noch heute zu den wichtigsten Tätigkeitsfeldern des Jesuitenordens. Diese Exerzitien wurden offenbar auch gleichzeitig zur "Aufklärung" über andere Religionsgemeinschaften benutzt. 35. Ebd., Bl. 99. 36. Ebd. 37. Ebd. 38. Ebd., Bl. 104. 39. Ebd., Bl. 105. 40. Ebd., Bl. 105. 41. Ebd. 42. Vgl. die Ausführungen Klaus-Dieter Papes in: BERLINER DIALOG 18-19, 3/4-1999 - Epiphanias 2000. [Index zum Buch "Observierung und Unterdrückung"] |
| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 14. Dezember 2009 um 11:19 Uhr |

